Südtirol, Land der Genüsse!

Jetzt, wo es draußen langsam ungemütlicher wird, nehme ich mir gerne die Zeit in sommerlichen Urlaubserinnerungen zu schwelgen.

Wer mich näher kennt, weiß wie sehr meine Seele für Südtirol brennt.

Hier fühle ich mich  zu Hause, kann komplett entspannen und alles fühlt sich einfach „richtig“ an!

Dieses Jahr habe ich mich mal ins Sachen Bier/Buschenschank umgesehen. Erfreulicherweise bin ich auch im direkten Umfeld zu unserem Urlaubsort Marling fündig geworden!

Gleich zwei Mitglieder der Gemeinschaft Südtiroler Wirtshausbrauereien waren nur einen Katzensprung entfernt.

Hier lässt man eine alte Tradition wieder aufleben. Das hausgebraute Bier wird direkt am Brauort ausgeschenkt.

Wer näheres dazu erfahren möchte kann bei „Die Wirtshausbrauereien“ einfach mal reinschauen. Zwei dieser Brauereien stelle ich euch heute vor, aber es sind noch weitere sechs der insgesamt acht Brauereien gelistet.

Mein erster Besuch galt dem Brauhotel Martinerhof in St.Martin im Passeiertal. Hier hatte ich zuvor schon E-Mail Kontakt und wusste zumindest, wer mich namentlich dort erwartet.

Also gut gelaunt die Gasststube gestürmt, Frau und Hunde im Schlepptau. Gemütliche Atmosphäre und ein nahezu freier Blick auf die glänzenden Kupferkessel der 10hl-Brauanlage empfangen mich. Herrlich, hier fühle ich mich gleich wohl! An der Rezeption treffe ich dann auf Flor. Ein bekanntes Gesicht in der Region, charismatischer Südtiroler und Wirt. Kurze Vorstellung, dann ein „setzt euch, wollts a Bier…?“ – alles klar, hier bin ich richtig.

Kurz darauf kommt auch schon Christof „Schwieck“ – der Braumeister des Hauses – aus dem Braukeller. Auch er zünftig  gekleidet in Lederhose und mit festem Händedruck. Wir setzen uns an einen Tisch und da geht es auch schon ans Fachsimpeln über Braumalz, Hefe, Hopfen und Co. Hier erfahre ich dann auch, das Schwick kein gelernter Braumeister ist, sondern sich sein Können und Wissen über das Brauen selbst angeeignet hat. Anfangs indem er dem früheren Braumeister zur Hand gegangen ist und ihm über die Schulter geschaut hat, später dann durch das tägliche Arbeiten.

Während unserer angeregten Plauderei führt er dann auch, zu recht mit Stolz, die hauseigenen Bier vor. Märzen, Weissbier ein feines Bockbier und wechselnde, saisonale Bierspezialitäten sind im Fass. Ich kann mich gar nicht recht entscheiden, welches mir am Besten schmeckt…muss ich ja glücklicherweise auch nicht. Allen Bieren ist jedoch eins gemein: Man schmeckt, dass man hier bodenständige, handwerkliche Braukunst im Glase hat! Und damit mir das nicht zum Verhängnis wird, gibt es Pizza aus dem hauseigenen Holzbackofen! Einfach köstlich und gerade noch rechtzeitig 😉

Neben dem Standort in Sankt Martin hat der Martinerhof noch einen Aussenposten mit einer 5hl Brauanlage im nahegelegenen Sankt Leonhard. Der Brückenwirt! Auch hier stehen hausgebrautes Bier und erstklassige Holzofenpizza auf dem Programm. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich in all den Jahren die ich schon nach Südtirol fahre nicht gewusst habe, dass das Bier vom selben Brauer stammt.

                        

Kurzum, wir hatten einen sensationellen Tag im Brauhotel Martinerhof und wir werden uns noch lange an einen überaus amüsanten Nachmittag, gespickt mit unglaublichen Anekdoten aus dem südtiroler Braueralltag, erinnern. Und nein, diese möchte ich jetzt hier nicht ausplaudern, die müsst ihr euch schon im Original erzählen lassen!

Von hier nochmal ein wirklich herzliches Dankeschön, wir werden noch lange daran denken!

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Den zweiten Ortstermin hatten wir in Lana, beim Pfefferlechner.

Am Tag zuvor hatten wir uns dort schon zum Abendessen eingefunden und ich konnte mir bereits einen ersten Eindruck vom hausgebrauten Bier machen. Hell, Dunkel, Bock und sogar ein Pale Ale stehen auf der Karte, da war jemand wirklich fleißig! Allesamt von hervorragender Qualität und insbesondere das Helle hat mich von Anfang an mit seinem fruchtigen, aber auch kräftig-würzigen Geschmack fasziniert. Klar, das es nicht bei dem Einen geblieben ist…

Hinzu kommt eine teils traditionelle, aber auf jeden Fall bodenständige und regionale Küche. Von  der Tagliata vom Ochsen über eine klassische Brettlmarende bis zum Strauben ist da einiges geboten. Gut gestärkt habe ich dann kurzerhand um ein Treffen mit dem zuständigen Braumeister vereinbart. Alles kein Problem, am folgenden Tag war nämlich glücklicherweise Brautag beim Pfefferlechner.

Gesagt, getan! Am nächsten Morgen empfängt mich bereits ein Duft, der mich immer schon lächeln lässt….heisse Maische!

Der nächste Augenmerk fällt auf die Kupferkessel, die Gärtanks, die offene Gärung, alles auf einen Blick, herrlich!

Und man ist bereits fleißig vor Ort. „Man“, das sind in diesem Fall der Braumeister Götz Spieth und seine Mitarbeiterin und noch in der Brauerausbildung befindliche Andrea Armellini. Auch hier ist ab der ersten Minute die für Südtirol so typische Gastfreundschaft zu spüren.

Gebraut wird hier auf einer 5hl-Anlage. Diese muss dann auch den jährlichen Absatz von 600-700hl bewältigen.Man kann also sagen, die Anlage hier ist in der Tat gut ausgelastet.

Im Gespräch mit Götz stellt sich dann heraus, dass er gebürtig „fast ein Hesse“ ist und aus Mannheim kommt. Studiert hat er in Weihenstephan und ist dann nach mehreren Brauorten in ganz Italien letzendlich bei Pfefferlechners in Lana gelandet. Nebenbei betreuen Götz und Andrea auch noch die Brauanlage von Andreas-Hofer Bräu in der Sachsenklemme in Franzenfeste.

Viel Arbeit also! Aber auch viel Erfahrung und viel zum Lernen. Kein Wunder also, dass Andrea förmlich für ihre Tätigkeit brennt und mit ihrem „Lehrmeister“ mehr als zufrieden scheint.

Danke euch beiden für eure Gastfreundschaft, das tolle Gespräch und die Einblicke in eure hervorragende Arbeit!

Besonders erwähnenswert finde ich noch das Projekt „Qualitätszeichen Südtirol“! Dieses Siegel dürfen ausschließliche Biere tragen, welche die folgenden Anforderungen erfüllen:

Die Grundzutaten der Bierherstellung

  • Die verwendeten Rohstoffe Gerste, Weizen und die daraus entstehenden Malze müssen strengen Qualitätskriterien entsprechen.
  • Malz – und Hefeextrakte sind nicht zugelassen.
  • Lebensmittelzusatzstoffe sind verboten.
  • Bier mit Qualitätszeichen Südtirol ist nicht pasteurisiert und ungefiltert.
  • Braugetreide, Malz  und Wasser stammen aus Südtirol.

Beide Brauereien haben Biere im Programm, die dieses Siegel tragen dürfen. Dafür von hier nochmal ein großes Lob und Dankeschön für solch ein Engagement!

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Abschließend noch ein schönes Beispiel für die Verbundenheit im Braugewerbe und insbesondere den herzlichen, Südtiroler Menschenschlag.

Zur Zeit des traditionellen „Törggelen“ wird beim Pfefferlechner und in der Sachsenklemme das sogenannte „Keschtn(Kastanien)Bier“ gebraut. Ein dunkles Bier mit satt rotem Einschlag, unter anderem gebraut mit Röstmalz und als Besonderheit mit Kastanienmehl. Also eine außergewöhnliche, regionale Spezialität! Die Betonung liegt hier (leider) auf regional…soll heißen, es ist hier schlicht nicht zu bekommen.

Also kurzerhand eine Nachricht an Andrea gesendet! Ob da vielleicht was machbar wäre…..?

Und siehe da, hier ist es!! Welch ein Genuss. Herbstlicher kann ein Bier kaum sein, angenehm rauchig vom Röstmalz, getragen von einem vollmundigen Malzkörper, angemehme, mittlere Hopfenbittere und ein harmonisch ausklingender Nachtrunk. Zu deftiger Kost wie Kaminwurzen und Speck einfach legendär.

Auch wenn du es mittlerweile vielleicht nicht mehr hören magst, liebe Andrea, Danke und nochmals Danke, du hast mir eine riesen Freude gemacht!!

 

Ich hoffe ich konnte euch hiermit ein wenig Lust auf einen Urlaub in Südtirol machen. Ich wünsche euch, dass ihr mal die Gelegenheit habt eines dieser köstlichen Biere vor Ort zu trinken und vielleicht ein wenig mit dem Brauer zu „ratschen“…

Auf bald und auf euer Wohl

der Brauonkel

 

 

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